{"id":24,"date":"2013-03-18T21:31:27","date_gmt":"2013-03-18T20:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hugobonatti.at\/?page_id=24"},"modified":"2020-04-17T11:19:40","modified_gmt":"2020-04-17T10:19:40","slug":"irrlichter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/?page_id=24","title":{"rendered":"Irrlichter (1972)"},"content":{"rendered":"<p>Erscheinungsjahr: 1972<\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Verlagsanstalt Wien<\/p>\n<p>Bonattis Texte sind erratische Bl\u00f6cke in der Landschaft der Gegenwartliteratur. Von ihnen geht eine zweifache Faszination aus, wie sie Bestsellern ebenso wie dem hilflosen Stottern modernistischer Nihilisten l\u00e4ngst fremd geworden ist. Diese Faszination beruht auf der metaphysischen Besessenheit des Autors wie auf ihrer formal-\u00e4sthetischen Geschlossenheit.<\/p>\n<p>Unser so oft zitiertes Zeitalter der Sprachlosigkeit erweist sich bei Bonatti als ein Zeitalter der Sprechlosigkeit, der Unf\u00e4higkeit des Menschen zum Dialog, nicht aber seiner Unm\u00f6glichkeit zum inneren metaphysisch fundierten Monolog.<\/p>\n<p>Bonattis Sprache bleibt keinen Augenblick l\u00e4nger als n\u00f6tig an der Oberfl\u00e4che. Schon nach wenigen pr\u00e4gnanten S\u00e4tzen der Einleitung strebt sie der Tiefe zu, bricht Schale um Schale der Bewu\u00dftheit auf, entbl\u00e4ttert die seelischen Strukturen, schonungslos sezierend. Wer die Kontexte dieser Texte er-fa\u00dft und um-greift, wei\u00df mehr vom geistigen Zustand unserer Welt, als ihm Tonnenladungen von Illustrierten und Tatsachenberichten vermitteln k\u00f6nnen. Es bedarf dazu freilich des meditativen Nachvollzugs dieser Texte und der Akzeptation der erbarmungslosen Querschnitte, die der Autor festlegt.<\/p>\n<p>Bonattis Texte sind zudem in sich geschlossene Klein-Kosmologien, in welchen die grammatikalischen Zusammenh\u00e4nge zugunsten musikalischer Formprinzipien durchbrochen werden &#8211; \u00e4hnlich wie die Reihentechnik der Harmonik umfunktioniert. Bei n\u00e4herem Zusehen erweisen sich die erratischen Bl\u00f6cke als feinzieselierte, diffizil durchformte Gebilde mit inneinandergeschachtelten Themensplittern, Motivschleifen, kontrapunktischen Zusammenh\u00e4ngen. Hier steht nach strenger Durch-Arbeitung\u00a0 kein Wort zu viel oder zu wenig, der Leser steht im Nachvollzug eines autonomen Reinigungsprozesses der Sprache und wird ihrer auch f\u00fcr sich selbst teilhaftig.<\/p>\n<p>Je \u00f6fter man zu Bonattis Band, der Frucht zehnj\u00e4hriger Mei\u00dfelarbeit, greift, umso schwerer und gewichtiger wird er. Inmitten der seichten Literaturflut unserer Tage, die alles \u00fcberschwemmt, mu\u00df ein Buch wie dieses wie ein Stein auf Grund gehen. Doch wenn dereinst die Ebbe zur\u00fcckrollt, wird es mit wenigen anderen die \u00d6de des verlassenen Strandes vergessen machen.<\/p>\n<p>Helmut Schinagl (\u2020)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erscheinungsjahr: 1972 \u00d6sterreichische Verlagsanstalt Wien Bonattis Texte sind erratische Bl\u00f6cke in der Landschaft der Gegenwartliteratur. Von ihnen geht eine zweifache Faszination aus, wie sie Bestsellern ebenso wie dem hilflosen Stottern modernistischer Nihilisten l\u00e4ngst fremd geworden ist. Diese Faszination beruht auf &hellip; <a href=\"https:\/\/www.hugobonatti.at\/?page_id=24\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":341,"parent":22,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/24"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/24\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/24\/revisions\/28"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hugobonatti.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}